Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau/Sachsen
Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau/Sachsen
Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau/Sachsen
Antiker Hobel zur früheren Holzbearbeitung

Geschichte des Stuhlbaus

um 1720 schreibt der Hofgeograph Zürner:
„Rabenau, hier ist merkwürdig, daß fast alle Einwohner Stuhlmacher sind, die hölzerne Lehnen zu Stühlen machen, auch geflochtene Englische, geschnitzte und andere feine Stühle, schon über 100 Jahre, darunter 100 Dutzend jährlich nach Dreßden, Freyberg, Magdeburg, Berlin und Hamburg geschickt werden...“

Diese Aussage Zürners ist ein wichtiges Dokument über Beginn und damaligen Entwicklungsstand des Rabenauer Stuhlbaues. Einen älteren Hinweis findet man nur in den Rabenauer Kirchenbüchern: ein „Stuhlmacher“ B. Wünschmann, wird 1675 genannt. Die älteren Schriftstücke waren beim Schwedenüberfall 1639 ein Opfer der Flammen geworden. Wenn es aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nur spärliche Kunde vom Rabenauer Stuhlbau gibt, so wird im beginnenden 19. Jhd. die Geschicklichkeit der Rabenauer immer wieder gerühmt. So schreibt z. B. Merkel-Engelhardt 1804 in seiner Erdbeschreibung von Kursachsen, daß in Rabenau gefertigt werden „... geschnitzte und geflochtene Stuhlgestelle aller Art nach den neuesten Modells.“ Trotzdem verschlechterte sich in dieser Zeit die wirtschaftliche Lage der Stuhlbauer. Gründe dafür waren ihre ständig wachsende Anzahl (1840: „ungefähr 26 Stuhlmacher mit 21 Gehilfen“), das Warenüberangebot bei sinkenden Stuhlpreisen, die Anhebung der Holzpreise und das Einschalten von Zwischenhändlern. 1844 gründete man in Rabenau den „Stuhlgestellarbeiterverein“ mit Mitgliedern aus ganz Sachsen. 1870 produzierten bereits 64 Stuhlbauereien, 3 Bildhauerwerkstätten und 2 Drechslerwerkstätten. Die Preise für ein Dutzend Stühle schwankten zwischen 7 uns 120 Talern - — man fertigte also vom einfachen Gebrauchs- bis zum anspruchsvollen Prunkmöbel alles an. Seit 1860 gilt der Friseurstuhl, auch Scherbock genannt, als eine Besonderheit des Rabenauer Stuhlbaues. Der Transport der Stühle erfolgte noch bis ins 20. Jahrhundert hinein teilweise mit dem „Reff“ (Tragegestell), dem Schiebbock oder auch des von „Hundekraft“ gezogenen Karrens. Seit 1882 wurde zunehmend der Transport von der neu errichteten Kleinbahn übernommen.

Bugholzstühle aus Rabenau
Der offenbare Hochstand des Rabenauer Stuhlbauhandwerks war nach der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die aufkommende Industrialisierung schwer gefährdet. Kein Rabenauer Meister wagte vorerst den Schritt von der herkömmlichen, rein handwerklichen Fertigung, hin zur aufstrebenden industriellen Produktion. Dem Rabenauer Stuhlhändler Ferdinand Reuter erst verdankt Rabenau die Entwicklung zur industriellen Kleinstadt. Er ließ auf dem Terrain der Burgruine eine große Fabrikanlage errichten, in der 1870 der erste Dampfkessel für die Gemarkung Rabenau seinen Einzug hielt. Es wurden zumeist Stühle aus gebogenen Buchenholzstäben, nach dem Vorbild der Fabrikation des Michael Thonet (Wien) - die sogenannten „Rabenauer Thonetstühle“ produziert. Mehr als 1000 Männer und Frauen waren in der „Großen Bude“ beschäftigt. Etwa ein Fünftel der Belegschaft baute noch in alter, heimischer Weise Sitzmöbel. 1881, in der höchsten Blüte, verließen 129.984 Möbelstücke die Fabrik. 1918 gab es in Rabenau: 18 Fabriken, 38 Stuhlbauer-, 14 Holzbildhauer-, 6 Drechsler- und 6 Beizer- und Poliererwerkstätten. ¹
1) Konrad Grüttner: „Chronik des Stuhlbaues im Raume Rabenau, Oelsa und der Nachbarorte“, unveröffentlicht, Rabenau 1971

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