Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau/Sachsen
Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau/Sachsen
Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau/Sachsen

Stuhlsammlung kommt ins Museum

(Sächsiche Zeitung, 5. März 2015)

Armin Mühlhoff kauft und restauriert sei 20 Jahren alte Möbel, vor allem Stühle. Nun stellt er in Rabenau aus.

von Anett Heyse

An den Tag, als er zum Sammler wurde, kann sich Armin Mühlhoff noch ganz genau erinnern. „Das war 1993. Ich war damals wissenschaftlicher Assistent in München und gerade mit dem Fahrrad zum Zahnarzt unterwegs.“ Dabei führte ihn der Weg auch an einem Antiquitätenladen vorbei – und da sah er sie: Stühle. Eine größere Lieferung aus England. „Ich hielt an und schwatzte mit dem Händler.“ Kurz darauf kaufte sich Mühlhoff seinen ersten historischen Stuhl. Es war der Auftakt einer großen Sammlung – ein Teil davon ist ab Sonntag im Rabenauer Museum zu sehen. „Kaffeehausstuhl & Avantgardemöbel“ heißt die Schau.

Es ist ein Rückblick auf eine faszinierende Möbel-Epoche. Nachdem ein gewisser Michael Thonet das Bugholzverfahren, bei dem Holz mithilfe von Wasserdampf gebogen wird, entwickelt hatte, war es erstmals möglich, Stühle in großer Stückzahl und zum kleinen Preis in Fabriken zu fertigen. Thonet und seine Konkurrenten, die Brüder Jakob und Josef Kohn, überschwemmten mit ihren Stühlen, Tischen, Garderoben und bald kompletten Wohneinrichtungen den Markt. Noch heute zeugen die erhalten gebliebenen Kataloge von einer riesigen Anzahl an Modellen. Die Sitzflächen waren zunächst noch geflochten, später bestanden sie aus Sperrholz. Vor allem aber waren sie trotz Massenproduktion von hoher Qualität, lobt Sammler Mühlhoff: „Unheimlich haltbar, exzellent verarbeitet, unübertroffen“, lobt Sammler Mühlhoff.

Dabei ist der 57-Jährige, der mittlerweile in Dresden lebt, von Haus aus Elektroingenieur und kei9n Tischler. Aufgrund seines Hobbys – über 300 Möbelstücke hat er inzwischen gesammelt – kennt er sich aber bestens aus. Selbst Stühle, die er total heruntergekommen auf Flohmärkten entdeckte, hat er liebevoll und originalgetreu restauriert. Was nicht mehr reparabel ist,  wird zum Ausschlachten genutzt. Natürlich ist seine Wohnung, mal abgesehen von Küche und Badezimmer, komplett mit alten Möbeln ausgestattet. Weil aber selbst die größte Wohnung für so viele Stühle kaum ausreicht, ist ein Teil der Sammlung in einem Atelier untergebracht, weitere Stücke sind in einem Lager eingestellt.

Um 1900 herum hatten die Kunden oder die Entwickler wohl genug vom Kaffeehaus-Design. „Wie aus dem Nichts entwickelte sich der Jugendstil. Moderne, avantgardistische Formen kamen auf“, erklärt Achim Mühlhoff. Auch aus dieser Epoche hat er etliche Möbelstücke mit nach Rabenau gebracht, teils Exemplare, die er eigentlich in seinem Wohnzimmer stehen hat. Beide Stile werden in der Sonderschau nun gegenübergestellt.

 Für Sammler Mühlhoff ist es das erste Mal, dass seine Möbel im Museum stehen. Das meiste hat er auf Flohmärkten oder bei Ebay entdeckt, auch steht er mit Händlern in Kontakt: „Die wissen, was ich suche und rufen mich an, wenn sie etwas haben.“ Viele Sammlerstücke sind dabei alt, aber teuer – gerade auch Jugendstilmöbel. „In den 60er- und 70er-Jahren haben die Leute solche Sachen noch weggeworfen.“ Heute stehen sie im Museum.

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